Donaukurier Ingolstadt (Isolde Asbeck, 29.11.2001, 01:11)

Der Regionalkongress: Eine große Zukunftswerkstatt für die oberbayerischen Schulen

Ingolstadt (iso) "Hier geht es um Projekte", sagt ein Ingolstädter Lehrer und weist auf die vielen Menschen. Sie drängeln sich vor den Stellwänden in den Gängen der Berufs- und der Wirtschaftsschule, im Foyer des Theaters und im Cateringzelt auf dem Schulhof vor der Kulisse des Turm Baur. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke erkennt man die eiligen Teilnehmer am Regionalkongress der oberbayerischen Schulen, der am gestrigen Mittwoch Ingolstadt fest im Griff hatte, schon von weitem an der Leinentasche einem Geschenk des Kultusministeriums, das sich im Laufe des Tages prall mit Materialien füllen sollte. Die Lehrkräfte sollen für ihre Schulen neue Ideen sammeln und Anregungen für die Gestaltung des Unterrichts mitbringen.

Diese "innere Schulentwicklung" ist sehr weit gefächert. 140 Informationsstände und Workshops und fast genauso viele Schulen aller Schularten aus ganz Oberbayern stellen hier erfolgreiche Projekte vor, die Schüler und Lehrer gemeinsam im Unterricht entwickelt haben. Jeder Lehrer kann aus der Fülle des Angebots nur eine subjektive Auswahl treffen.

Klassenzimmer mit 30 Laptops

Ganz frisch und neu präsentiert sich das Notebook-Klassenzimmer der Wirtschaftsschule am Brückenkopf · wohl das Projekt mit der teuersten Infrastruktur: 30 tragbare Personalcomputer, funkvernetzt und mit eigenem Internet-Zugang macht 200 000 Mark. Dafür können die Schüler Aufgaben wie diese hier lösen: "Erstellen Sie zusammen mit einem Mitschüler eine Excel-Tabelle, um mindestens zwei Aktiengesellschaften miteinander vergleichen zu können." Die Laptops wurden erst diese Woche geliefert, bis jetzt dürfte dieses Klassenzimmer das Einzige seiner Art in Ingolstadt sein.

Wie ein einziger Computer im Klassenzimmer in Ergänzung zu Tafel und Kreide zur Vermittlung des Wissens dienen kann, zeigt Oberstudienrat Werner Kundmüller vom Christoph-Scheiner-Gymnasium im Workshop "Ein PC im Klassenzimmer · das Medienwunder?" Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz des PC: Der Lehrer muss die Bereitschaft und Fähigkeit mitbringen, mittels der Gestaltungssoftware "Powerpoint" eigene Unterrichtsvorlagen zu erstellen. "Die Möglichkeiten, kreativ zu werden, sind enorm", so Kundmüller. Die Lernprogramme mittels PC seien wiederholbar, könnten ständig verbessert und für andere Kollegen kopiert werden. Der Englischlehrer setzt den Computer zum Wörterlernen, für Lerntests und zum Visualisieren von Lerninhalten ein. Obwohl der Computer nicht ans Internet angeschlossen ist, kann er von den Schülern vielfältig im Unterricht genutzt und vom Lehrer eingesetzt werden, so sein Fazit.

Dass Schüler und Lehrer gemeinsam den Einsatz und das Training am Computer noch verbessern müssen, zeigt auch eine schulinterne Umfrage, die im Rahmen einer "Zukunftswerkstatt" und der Entwicklung eines Schulprogramms durchgeführt wurde.

Elementare Einsichten zur Donau: "Nirgends ist der Fluss von jener Farbe, die wir im Lied besingen." Der kurze Text findet sich in der Zeitschrift für Literatur und Kunst "Des Arts". Zwei Mal im Jahr entscheidet eine Jury aus Schülern und Lehrern des Descartes-Gymnasiums Neuburg, welche eingesandten Texte und Bilder hier veröffentlicht werden. Thema der aktuellen Ausgabe: Zeit und Elemente.

Auf den Spuren der Römer

Klassenfahrt ins Römerlager Pfünz: Seit acht Jahren gibt es bereits das Gemeinschaftsprojekt der Fächer Geschichte und Latein am Gnadenthal-Gymnasium. Drei Tage Lagerfeuerromantik für die sechste Jahrgangsstufe ohne Strom, aber mit fließend Wasser: Die Schüler wollen gar nicht mehr nach Hause, berichtet Lateinlehrerin Sophie Funk-Reil. Das Essen muss selber hergestellt werden, im Wald buddeln die Schüler nach "alten" Tonscherben, basteln nach den antiken Vorbildern Schmuck, Schuhe und kleine Mosaike. "Die gemeinsamen Nächte am Lagerfeuer bringen viel für den Klassenzusammenhalt und das Kennenlernen der Jahrgangsstufe untereinander."

"VIP": Das Kürzel zeichnet an den Hauptschulen Herschelstraße, Stollstraße und Auf der Schanz Schülerinnen und Schüler aus, die als Ansprechpartner für Prävention gegen Drogen ausgebildet werden. Schüler werden aktiv für andere Schüler: Das ist nur ein Projekt der Schulsozialarbeit in Ingolstadt.

Bis 16 Uhr geht das Programm weiter: Vom Projekt "Wir gründen ein Unternehmen" über die "Brennstoffzelle" und "Die Polis · ein Schulstaat" bis hin zu Musik- und Tanzvorführungen, Beratungsangeboten zur Schulentwicklung und Lernzirkel zum Thema Fremdenfeindlichkeit: der Regionalkongress Oberbayern · eine große Zukunftswerkstatt für die Schulen.

 

Quelle: http://www.donaukurier.de/)

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