Pressemitteilung Nr. 343 vom 28. November  2001

Rede der Bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Monika Hohlmeier, zur Eröffnung des 5. Regionalkongresses „Schulinnovation 2000“ am 28. November 2001 in Ingolstadt (Es gilt das gesprochene Wort!)
 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schnell, sehr geehrter Herr Honal,
sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
liebe Schülerinnen und Schüler!

Zuerst einmal bedanke ich mich für die furiose Begrüßung durch die BigBand des Reuchlin-Gymnasiums und die professionelle Moderation der Schülerinnen und Schüler des Willibald-Gymnasiums!

Als ich heute mich heute morgen vom Kultusministerium aus hierher auf den Weg machte, musste ich mich - wie fast jeden Tag - erst einmal mühsam durch die riesige Baustelle hindurchquälen, von der das Kultusministerium seit etwa zwei Jahren umgeben ist.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, was sich auf so einer Baustelle tut: Da wird abgerissen und neu aufgebaut; da werden alte, wunderschöne Hausfassaden liebevoll abgestützt, damit nicht verloren geht, was das Gesicht der Stadt so viele Jahrzehnte mitgeprägt hat; da werden - sorgfältig abgestimmt auf die wertvolle Bausubstanz - neue Räume geschaffen, da nehmen auch unkonventionelle Ideen Gestalt an.

Natürlich geht es dabei laut und lebendig zu: Es wird gesägt und gehämmert, gebohrt und gefräst, geschimpft und gefeiert, gestritten und gesungen. Und langsam schält sich das Ziel heraus, das man während der Bauzeit oft scheinbar aus den Augen verloren hatte: Ein neues Stadtzentrum entsteht, Altes und Neues geht eine neue, eine interessante Verbindung ein.

Warum ich Ihnen das erzähle? Sie ahnen es: So eine Baustelle kann man auch als Metapher für Schulentwicklung begreifen. Man hat ein großes Ziel vor Augen, es geht äußerst lebendig zu, und manchmal weiß man nicht mehr, ob man auf dem richtigen Weg ist. Aber man geht ihn gemeinsam, und schließlich sind alle stolz darauf, was sie alle miteinander geschafft haben:

Sie haben Lehren und Lernen verändert, aber nicht mit dem Presslufthammer, sondern behutsam und schrittweise. Sie haben nicht kopflos das Alte über Bord geworfen, sondern neuen Ideen eine Chance gegeben.

Dieser Regionalkongress zeigt zusammen mit den den vier vorausgegangenen eindrucksvoll, dass die Großbaustelle „Schulentwicklung in Bayern“ inzwischen Richtfest feiern kann. Die Fundamente tragen, das Gebäude wächst.

Einen wesentlichen Unterschied zum neuen Stadtzentrum gibt es allerdings schon: Die Arbeiten auf der Großbaustelle folgen einem bis ins Kleinste durchstrukturierten Bauplan. So wie es auf dem Reißbrett entstanden ist, so muss es auch werden, sonst ist der Auftrag nicht erfüllt.

Schulentwicklung aber kann man - und das ist immer meine Überzeugung gewesen - nicht nach einem vorgefertigten Plan oder gar auf Kommando abwickeln. Es wäre schade, wenn man auf diese Weise alle bayerischen Schulen über einen Kamm scheren wollte. Deshalb kann und soll in Bayern jede Schule ihren eigenen Weg gehen, soll diesem Weg individuell an ihren Bedingungen und Bedürfnissen ausrichten. Ich bin stolz darauf, dass sich diese „bayerische Linie“ in der Schulentwicklung bereits bewährt hat:

Wenn über 22.000 Lehrerinnen und Lehrer unsere acht Regionalkongresse besuchen, und das nicht etwa auf Dienstanweisung, sondern aus Interesse, wenn rund 1.600 Schulen sich auf diesen Kongressen präsentieren, dann ist tatsächlich der berühmte „Ruck“ durch unsere Schullandschaft gegangen.

Heute präsentieren hier in Ingolstadt über 200 Schulen aus dem westlichen und nördlichen Oberbayern mit ebenso vielen Projekten ihre Innovationsansätze. Überall lernen Schulen verändern - und verändern damit Lernen. Sie tun es aus Überzeugung. Sie tun es mit ansteckender Begeisterung, das werden Sie heute wieder erleben. Und: Sie würden um keinen Preis wieder umkehren.

Diese Schulen wissen selbst am besten, wann sie in einen systematischen Entwicklungsprozess einsteigen wollen. Sie selbst sollen diese Entwicklung auch evaluieren und aus den Ergebnissen die eigenen Schlüsse ziehen. Ich werde mir jedenfalls keine 20-seitigen Rechenschaftsberichte vorlegen lassen, in denen die Schulen aufschreiben müssen, wie sie sich entwickelt haben. Ich kann nichts anfangen mit der innovativen Schule auf dem Papier; ich möchte die innovative Schule „live“ - wie hier in Ingolstadt, wie zuvor in Würzburg, in Nürnberg, in Rosenheim und in Weiden.

Es sind diese Beispiele lebendiger Schulentwicklung, meine Damen und Herren, die Mut machen, die zeigen, dass sich überraschende Erfolge einstellen, wenn man den gewohnten Unterricht einmal gegen den Strich bürstet. Dafür danke ich allen, die heute hier präsentieren, referieren und diskutieren!

Ich bin sicher, dass sich auch heute wieder viele Besucherinnen und Besucher von diesen Beispielen anstecken lassen und sich mit ihrer Schule ebenfalls auf den Weg machen.

Dieser Weg ist nicht immer asphaltiert; manchmal hat man eher den Eindruck, er sei mit Stolpersteinen gepflastert. Denn Schulen sind zwar traditionell Lernorganisationen, aber wenige sind schon lernende Organisationen.

Nun ist es ja überhaupt nicht falsch, eine Lernorganisation zu sein. Wir sind mit Recht stolz auf die Qualität unserer bayerischen Schulen, die bundesweit – durchaus nicht immer neidlos - anerkannt wird.

Lernende Organisationen aber können noch mehr als Lernorganisationen: Sie gehen selbstverständlich mit Veränderung um und betrachten den Wandel nicht als Störfall, sondern als Normalität oder sogar als Herausforderung. Wir erleben, wie sich Wissenschaft und Technik in rasantem Tempo weiter entwickeln, wir erleben, wie sich unsere Gesellschaft verändert: unsere Schulen dürfen nicht eines Tages verdutzt daneben stehen und keine Antworten wissen.

Auch Schulen müssen gelernt haben zu lernen. Veränderung bedeutet nicht Qualitätsverlust, sondern Erhalt und Steigerung der Qualität unter Anpassung an veränderte Bedingungen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Schulaufsicht und das Kultusministerium: Lange Jahre haben wir angeordnet und dann kontrolliert, ob das Angeordnete auch befolgt wird. Aber das genügt heute nicht mehr. Wenn wir Schulinnovation wirklich wollen, dann muss sich auch unsere Rolle wandeln von der Aufsicht und Kontrolle hin zur Unterstützung und Beratung. Täglich dazu lernen – das müssen wir genauso wie die Schulen.

Wie jeder Entwicklungsprozess, so ist auch die innere Schulentwicklung oft Anlass zur Kritik, wirft Fragen auf, macht Angst.

Ich habe Ihnen eine kleine Auswahl verschiedener Ansichten über Schulentwicklung mitgebracht, wie wir sie täglich im Ministerium hören.

Hier kommen also 10 Meinungen zum Thema Schulinnovation – und meine Einschätzung dazu:

1. „Schulentwicklung ist anstrengend.“
Stimmt!

Nur ein Beispiel: Es erfordert erheblichen Einsatz von den Lehrerinnen und Lehrern, sich mit schüleraktivierenden Unterrichtsformen vertraut zu machen, sie einzuüben und zu praktizieren, vielleicht auch noch misstrauisch beäugt von den Kolleginnen und Kollegen oder sogar vom Chef. Eine Gymnasiallehrerin hat mir dazu auf dem Nürnberger Kongress erzählt, am Anfang sei ihr gar nicht wohl dabei gewesen, in einer Lernzirkelstunde einfach „nur so herumzustehen“, während die Schülerinnen und Schüler recht munter und temperamentvoll an die Arbeit gingen. Inzwischen habe sie gelernt, dass die Stunden selbst entspannter verliefen als früher, dass sie aber selbst mehr Arbeit im Vorfeld habe als beim traditionellen Unterricht.

2. „Wenn man sowieso schon so viel am Hals hat wie wir, kann man nicht auch noch Schulentwicklung machen.“
Stimmt nicht, ganz im Gegenteil!

Die meisten Schulen beginnen Schulentwicklungsprozesse aus zwei Beweggründen: Entweder sind sie mit der Effizienz des Unterrichts nicht mehr zufrieden. Sie stellen fest, dass sie mit den Unterrichtsmethoden, die früher gute Ergebnisse brach-ten, nicht mehr die gewohnten Erfolge erzielen.
Oder sie leiden unter täglichem Kommunikationsfrust, weil der Informationsfluss an der Schule einfach nicht funktioniert.

Also: Gerade wenn es nicht so gut läuft, ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in einen Schulentwicklungsprozess.

3. „Schulentwicklung ist wieder so ein Zeitgeist-Schmarrn. Was soll daran neu sein? Wir haben das doch immer schon gemacht, jetzt erfinden sie im KM wieder ein neues Wort dafür.“
Stimmt nicht!

Es ist zwar richtig, dass viele Schulen schon immer vorbildliche und erfolgreiche Einzelprojekte betrieben haben – ich denke nur an Soziale Wochen, Schulpartnerschaften, Neugestaltung von Elternarbeit, Tutorenmodelle, Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Aber insgesamt betrachtet waren das meist einzelne Teile eines Puzzles, die sich noch nicht zu einem Gesamtbild fügten. Schulentwicklung setzt diese Puzzleteile systematisch zusammen, und das Ganze, das dabei herauskommt, ist dann mehr als die Gesamtheit seiner Teile. Es prägt nämlich das Profil der Schule nachhaltig, weil der gesamte Prozess einem Konsens aller am Schulleben Beteiligten folgt.

4. „Schulentwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten, wenn sie einmal angefangen hat. Das bleibt ein ewiger Unruheherd. Wir kommen ja überhaupt nicht mehr zur Ruhe.“
Stimmt.
Schulentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, sie gehört zur Schule dazu wie Unterricht und Pause. Ich behaupte: Schule ist immer kreativ, quirlig und damit unruhig, ganz einfach weil sie es nämlich mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Wer beim Stichwort Schule zuerst an Ruhe denkt, der muss irgendetwas falsch verstanden haben. Schulentwicklung ist kreative Unruhe, ist ständiges und hartnäckiges Hinterfragen des Ist-Zustandes. Sie erreicht zwar immer wieder Teilziele, aber am Ziel angekommen ist sie nie.

5. „Schulentwicklung ist für uns erst dann ein Thema, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen sind.“
Stimmt nur teilweise.

Natürlich darf es keine veränderungsfeindlichen Bedingungen geben. Aber derzeit befinden wir uns alle miteinander in einer schwierigen Umbruchsphase. Wir gewinnen gerade erst die Erfahrung, die eine gerechte Einschätzung geleisteter Innovationsarbeit ermöglicht. Und wir müssen uns auch davor hüten, wieder alles allzu eilfertig und hieb- und stichfest mit Verordnungen „einrahmen“ zu wollen.

Sie können sicher sein, sehr geehrte Damen und Herren, innovative Entwicklungsarbeit wird wahrgenommen und entsprechend gewürdigt:

 Heuer haben erstmals viele innovative Schulen Anrechnungsstunden für Schulentwicklung bekommen.
 Ich habe den Auftrag gegeben, neue Richtlinien für die Bewertung der Leistungen in den schüleraktivierenden Unterrichtsformen zu erarbeiten.
 Im Januar nächsten Jahres wird die Stiftung Bildungspakt Bayern die ersten Preisträger des Bayerischen Schulinnovationswettbewerbs i.s.i. bekanntgeben – zur Zeit besuchen die Jurys gerade die Schulen, die in die Endrunde gekommen sind.
 Wir haben Koordinationsstellen für Schulentwicklung bei den Ministerialbeauf-trag-ten und den Regierungen eingerichtet.
 Überall, besonders auch in der Folge dieser Regionalkongresse, entstehen Netzwerke der Schulen. Besonders freut mich daran, dass viele Lehrerinnen und Lehrer schulartübergreifend in diesen Netzwerken miteinander kommunizieren.
 Ein neuer, praxisorientierter Leitfaden des ISB liegt heute hier - exklusiv für Sie - im Vorabdruck bereit. Kein dickes Handbuch, durch das man sich mühsam durcharbeiten muss, sondern ein übersichtlicher Praxisratgeber.

Sie wissen, wie hart ich um jede Lehrerstelle kämpfe. Die Schulentwicklung ist mir dabei ein ganz besonderes Anliegen. Ich weiß, dass es Schulentwicklung nicht zum Nulltarif gibt. Aber: Eine entwicklungsfähige Schule kann es sich auch nicht leisten, in der Schmollecke zu hocken und auf bessere Zeiten zu warten!

6. „Schulentwicklung setzt auf Unterrichtsformen, die nachgewiesenermaßen überhaupt nichts bringen.“
Stimmt nicht.

Schüleraktivierende Unterrichtsmethoden müssen an die Seite – nicht an die Stelle! - des Frontalunterrichts, der sogenannten direkten Instruktion treten. Überhaupt mag ich den Ausdruck „Frontalunterricht“ gar nicht, „Frontalunterricht“ klingt für mich immer nach „Frontalzusammenstoß“. Ich sage lieber „lehrerzentrierter Unterricht“, und der hat durchaus seine Berechtigung: eben dann, wenn er die beste Vermittlungsmethode für einen bestimmten Inhalt ist.

Aber eines gilt für jede Unterrichtsmethode: Unsere Kinder müssen sich aktiver ins Unterrichtsgeschehen einbringen, müssen mehr Verantwortung übernehmen. Und das muss Schritt für Schritt gelernt werden.

Es gibt durchaus Misstrauen gegenüber diesen neuen Methoden – Neues hat es immer schwer. Da fragt dann die besorgte Mutter die Grundschullehrerin:

„Diese Freiarbeit...was ist das eigentlich? Die Kinder sind ja ganz begeistert davon... aber...lernen die dann auch etwas...also, ich meine, wann findet denn dann das richtige, also das wirkliche...Lernen statt? So wie früher?“

Die Lehrerin erklärt, dass alle Kinder bisher in ihrem Lernfortschritt genau da sind, wo sie laut Lehrplan sein sollten, aber so recht überzeugt hat sie die Mutter nicht.

Ein paar Wochen vergehen, und die Mutter stellt überrascht fest, dass ihre Tochter sich nicht nur sichtlich auf diesen so ganz anderen Unterricht freut, sondern dass es sich dabei auch tatsächlich um „richtiges Lernen“ handelt. Es ist interessant zu beobachten, wie die Sechsjährige zunehmend selbstständig ihre Hausaufgaben organisiert, wie sie an der Verantwortung wächst, die ihre Lehrerin ihr zutraut.

7. „Schulentwicklung bedeutet Spaß-Schule.“
Stimmt nicht.

Nur allzu gern behaupten Kritiker und verbreiten das auch leider oft unwidersprochen, da werde doch nichts Vernünftiges mehr gelernt. Innere Schulentwicklung sei der natürliche Feind ernsthafter Leistung und bringe allenfalls eine spektakuläre und medienwirksame Projekthuberei hervor.

Gegen eine Schule, in der Leistung gefordert und erbracht wird und in der Lernen und Lehren Spaß macht, habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Ich frage mich oft, warum wir eigentlich immer viel lieber vom Ernst des Lebens sprechen, wo wir doch selbst so gerne tun, was Spaß macht?

Spaß ist ein anderes Wort für Freude, für Lust, für Motivation, für Erfüllung. Jeder möchte einen Beruf haben, der ihm Spaß macht. Ohne Spaß an der Arbeit wird man auf Dauer keine überzeugende Leistung bringen können. Aber: Wenn es um das Lernen, um Schule und Unterricht geht, dann ist für uns Deutsche halt oft Schluss mit lustig. Da hört sich dann aber auch wirklich der Spaß auf. Schade!

Meine Devise heißt: Gefordert werden, etwas leisten und feststellen, wie viel Spaß es macht, wenn man etwas richtig beherrscht, wenn man den Stoff sozusagen in Besitz genommen hat. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass Sie alle hier an praktischen Beispielen zeigen, wie viel Spaß es machen kann, wenn man die eigene Leistungsfähigkeit entdeckt!

8. „Schulentwicklung macht unser Kollegium kaputt. Andauernd streiten wir.“
Stimmt nicht. Jedenfalls nicht langfristig.

Ohne Konflikte kann es keine erfolgreiche Veränderungsbemühung geben. Teamentwicklung deckt oft Konflikte auf, die zwar schon jahrelang bestehen, aber immer unter der Oberfläche vor sich hin kriselten. Schulentwicklung setzt sich damit auseinander, zwingt Position zu beziehen. Nur so entstehen verlässliche Teams, ohne die Schulentwicklung nicht auskommt. Nur so entsteht jenes Miteinander, das ein echtes Team ausmacht. „TEAM“ ist nämlich nicht die Abkürzung für „Toll-Ein-Anderer-Machts“!

9. „Soll doch das Ministerium klare Anweisungen geben, wie Schulentwicklung geht. Die wissen ja selbst nicht, was sie wollen.“
Stimmt natürlich nicht.

Wir können nicht wissen, was für Ihre Schule gut ist. Wir wissen aber, das weder totale Zentralisierung noch totale Dezentralisierung die Mittel der Wahl sein können. Weder übertriebene Kontrolle noch totale Autonomie bringen die Schule weiter.

Ich möchte den Schulen aber wesentlich mehr Gestaltungs- und Handlungsfreiheit geben. Denn Probleme geht man am besten dort an, wo sie entstehen.

Die hier anwesenden Schulen haben sich diese Freiheit genommen, und die neuen Lehrpläne bieten ihnen den dafür erforderlichen Spielraum.

Allerdings: Wenn „von oben“ mehr Gestaltungsfreiheit gewährt wird, wird das durchaus nicht immer einhellig begrüßt – die Schule bekommt mehr Verantwortung und muss für ihre Entscheidungen dann auch einstehen. Helfen Sie alle mit, dass die neuen Freiräume konstruktiv mit Leben erfüllt werden! Ich möchte bitte keine Briefe bekommen, in denen um neue Vorschriften gebeten wird!

10. „Schulentwicklung will den Eltern und Schülern mehr Mitsprachemöglichkeiten geben. Aber die können doch gar nicht beurteilen, was für die Schule gut ist!“
Stimmt nicht!

Verantwortung übernehmen müssen alle, denn nur alle zusammen gestalten eine wirklich gute Schule. Deswegen sollen auch alle gemeinsam beraten, ob man z.B. an einem Modellversuch teilnehmen will oder eine Schulpartnerschaft aufbaut. Verantwortlich für den Unterricht ist natürlich weiterhin die Lehrerin oder der Lehrer, aber das heißt nicht, dass man nicht offen für Anregungen sein dürfte. Schüler und Eltern können die Qualität von Unterricht sehr wohl beurteilen, und sie tun es außerordentlich fair und sachlich, wenn man sie nur lässt. Das werden all die Lehrkräfte bestätigen, die sich gerne in die Karten schauen lassen, indem sie regelmäßig ein Feedback einholen.

Eltern können so viele wertvolle Erfahrungen in die Schule einbringen, sei es aus dem beruflichen oder erzieherischen Bereich: Warum sollten wir darauf verzichten? Und Schülerinnen und Schüler sind ja wohl die Hauptdarsteller auf der Bühne der Schule: Mit der Statistenrolle dürfen sie und dürfen wir uns nicht zufrieden geben.

Das, meine Damen und Herren, waren 10 Meinungen zur Schulinnovation und meine Antworten darauf. Schulentwicklung ist und bleibt für mich bildungspolitische Chefsache. Ich gebe zu, manchmal ist Schulentwicklung schwieriger, als man gedacht hat, manchmal tritt sie auf der Stelle. Dann aber gibt es auch wieder einen Energieschub, und so einen erleben wir heute. Ich freue mich genauso wie Sie auf einen spannenden Tag voller neuer Eindrücke!

Mein ganz herzlicher Dank geht an dieser Stelle an das Organisationsteam des Ingolstädter Kongresses unter der Leitung von Herrn Werner Honal. Übrigens ist dies der erste Regionalkongress, der in der Vorbereitungszeit voll durchdigitalisiert war. Das Organisationsteam war komplett vernetzt, sämtliche Rechner wurden rund um die Uhr aufs Äußerste gefordert!

Ein großes Dankeschön auch an die Damen und Herren Referenten und besonders an die über 200 ausstellenden Schulen, die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte.

Das gesamte musische Rahmenprogramm wurde vor dem Kongress in der Region als Wettbewerb ausgeschrieben – wieder viel Arbeit für das Organisationsteam, aber es hat sich gelohnt. Das offizielle Plakat mit der kunterbunten Achterbahn gefällt mir besonders gut.

Ein ganz besonderer Dank geht an Ingolstadt. Von Anfang an hat die Stadt diesen Kongress in vorbildlicher Weise unterstützt und unter anderem dieses wunderschöne Stadttheater zur Verfügung gestellt.

Ich danke allen guten Geistern vor und hinter den Kulissen, den Gestaltern der Homepage und des Programmhefts, den Technikern, den Computerspezialisten, denen, die sich um das leibliche Wohl kümmern – um nur einige stellvertretend für alle zu nennen. Danke also an die vielen Helferinnen und Helfer, ohne die ein solches Großprojekt gar nicht zu schultern wäre.

Entwicklung macht Schule – lassen Sie sich inspirieren, freuen Sie sich wie ich auf anregende Gespräche, interessante Workshops und neue Ideen!

 

Claudia Piatzer, Pressesprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus

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